Mittwoch, 13. Juni 2012

Mal angenommen...

Satudarah, habe ich gelernt, ist indonesisch und heißt „ein Blut“; auf dem Wappen des gleichnamigen MC fließe es einend zwischen den beiden Gesichtern, schwarz das eine, weiß das andere, unter neun Federn, von denen jede für einen der Gründer des Motorradclubs stehe. Satudarah MC wurde in den Niederlanden von Motorradfahrern mit Abstammung von den Molukken, einer Inselgruppe in Indonesien und ehemalige Kolonie, ins Leben gerufen. Nun hat der Motorradclub ein erstes deutsches Chapter. Der Duisburger Brotherhood MC, ebenfalls eine Gruppe mit Bikern aus vielen Nationen, ist in Satudarah aufgegangen.

Eigentlich eher ein Thema für die Fachzeitschrift Biker news – eigentlich, wäre Satudarah in den Niederlanden nicht einer der größten Motorradclubs und stünde jenseits der Grenze mit den Hells Angels in Konflikten, die in der dortigen Presse, in der dortigen Sprache als möglicher „Bende-oorlog tussen motorclubs“, als Krieg zwischen Motorradklubs, bezeichnet werden. Außerdem beobachten die niederländischen Sicherheitsbehörden Satudarah MC wegen des Verdachts von Drogenhandel und all dem, wessen Motorradclubs im Allgemeinen bezichtigt werden. Und deshalb und angesichts der neuerlichen Polizeiaktionen gegen Hells Angels und Bandidos ist der neue Verein nun also ein Thema.

Und nach all den aufgeregten Artikeln, Stellungnahmen, Beiträgen die ich während meiner Recherche las, hörte und sah, tauchte eine Frage auf: wenn die Polizei zum Teil jahrzehntelang und zum Teil international gegen die großen Motorradclubs ermittelt und doch den Nachweis der kriminellen Vereinigung nicht führen kann, sondern die Ermittlungen immer wieder in Verfahren gegen einzelne Rocker, einzelne Chapter oder Charter münden – ist vielleicht die Annahme falsch? Niemand käme ja auf die Idee, zum Beispiel eine Tierärztekammer als kriminelle Vereinigung zu bezeichnen, nur weil manche Mitglieder mit medikamentöser Masthilfe ihr Geld verdienen und der Menschheit so nun auch noch den antibiotikaresistenten Keim der Untergruppe livestock associated MRSA bescherten. Also...

Dann entdeckte ich bei der – ansonsten interessanterweise vergeblichen - Suche nach einem Experten zum Thema Rockerclubs diesen Beitrag von Florian Albrecht, Wissenschaftler an der Universität Passau. Lesenswert, unbedingt.

Montag, 7. Mai 2012

Heard it in the newspaper...

Heute morgen erfahre ich aus den Zeitungen ungefragt, dass der verstorbene Beastie-Boy Adam Yauch aus einem „akademischen jüdischen Haushalt“ stammt, 1964 „als Sohn eines Katholiken und einer Jüdin im New Yorker Stadtteil Brooklyn“ geboren wurde. Warum mich das interessieren soll, weiß ich nicht. Wird hier angedeutet, dass er es im HipHop geschafft hat, trotz der Bürde, nicht in Bronx, Compton oder South Central geboren zu sein? Geht es um street credibility? Die hatten die Beastie Boys auf jeden Fall, wobei das in der wahrscheinlich kommerziellsten aller Musikrichtungen ohnehin eine etwas eigenartige Fragestellung ist. Welchen Glaubens wer in der Familie ist, war oder zu welcher Überzeugung er konvertierte – so what! - aber das ist ja auch von Miles Davis.

In einem anderen Artikel spielt der Glaube eine Rolle. Irgendwelche Rechtsradikale provozieren irgendwelche Salafisten. Erstaunlich präzise vorhersehbar eskaliert die Gewalt, Polizisten werden niedergestochen und tragische Opfer eines kühl kalkulierten Effekts. They say jump – you say how high; das ist auch nicht von den Beastie Boys sondern von rage against the machine, passt aber erstaunlich exakt, was den Vorfall selbst allerdings auch nicht besser macht.

Und dann sind da noch die Wahlen; alles auch wie erwartet, irgendwie. Von Paris über Kiel bis zum Pelepones. Nun geht es in der hiesigen Diskussion über das, was in Griechenland geschehen ist, um die Deutungshoheit: Sind die Linken der SYRIZA noch radikal (Gysi) und damit per se erstmal nicht oder doch schon extremistisch (Bild) und damit böse? Eines jedenfalls ist unbestritten: die Ränder sind gestärkt und wenn an den äußeren Enden gezerrt wird, setzt dies das Ganze unter Spannung. Damit wird eine längst gestellte, aber in der Diskussion um Milliarden, Zinsen, Bonität und den ganzen Rest völlig untergegangene Frage, wieder aktuell: wieviel Sparen verträgt die (griechische) Demokratie? Das ist auch nicht von den Beastie Boys sondern von Helmut Schmidt, kann man aber trefflich drüber nachdenken.



PS: Das mit der Kleinschreibung werde ich künftig lassen, Schuld ist Bastian Sick, der mich in einem Kapitel seines Buchs „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod (Teil 2)“ von deren Unschärfe überzeugt hat.

Samstag, 5. Mai 2012